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Liebe und Freundschaft
Die Mutter liebt ihre Tochter, Opa liebt seinen Dackel, der kleine Bruder liebt sein Kuscheltier, Vater liebt italienisches Essen..... es ist ganz schön kompliziert, Liebe zu beschreiben.

Und wie sieht es mit Freundschaft aus?
Mädchen und Jungs haben manchmal viele und manchmal auch nur wenige Menschen, die sie als Freunde bzw. Freundinnen bezeichnen.

Jungs verbringen meist ihre Freizeit in ihrer Freundesclique. Sie treiben zusammen Sport, hören Musik, sind auf der Suche nach Abenteuern!

Mädchen verbringen viel Zeit mit ihrer besten Freundin. Sie vertrauen sich ihre Gefühle und Geheimnisse an. Sie entwickeln verrückte Ideen und brüten tolle Zukunftspläne aus. Sie haben viel Spaß zusammen und trösten sich gegenseitig, wenn´s der einen mal schlecht geht.

Neben diesen Freundschaften haben viele Jugendliche auch eine besondere Liebesbeziehung zu einem Mädchen oder Jungen. In dieser einen Beziehung spielen dann oft auch sexuelle Gefühle eine große Rolle.

Sexualität kann eine Beziehung ganz schön aber auch ziemlich kompliziert machen. Im folgenden Bericht (aus:"Mädchen unterwegs im Ortenaukreis") werden einige Fragen dazu aufgegriffen.

Sexualität
Sexualität ist eine Lebensenergie, die uns das ganze Leben begleitet. Wir Menschen sind zeitlebens u.a. Sexualwesen. Dies gilt unabhängig davon, ob wir sexuell aktiv sind oder enthaltsam leben.
Und je nachdem in welcher Familie, in welcher Religion und in welchem Kulturkreis wir aufwachsen, bestimmt die Ausdrucksformen unserer Sexualität, d.h. also Sexualität ist zum Teil erlernt.
So lebt z.B. ein deutsches Mädchen eine andere Sexualität als ein türkischer Junge.

Was ist Sexualität und wann beginnt sie?
Schon sehr kleine Kinder erleben es als angenehm und lustvoll, wenn man sie hin- und herwiegt. Ihre gesamte Haut ist für allerlei Empfindungen durchlässig. Im Kindergartenalter spielen die Kleinen gerne mit Wasser, bespritzen sich oder buddeln im Sand und machen Doktorspiele. dies alles verschafft Spaß und Lust und führt zu neuen Körperentdeckungen. Alles was mit Haut und Lustgefühl zusammenhängt, konnte man als sexuelle Gefühle bezeichnen.

Körperlich wachsen Kinder bis zum ca. zehnten/elften Lebensjahr recht kontinuierlich und langsam. Doch danach findet eine regelrechte „Explosion“ des Körperwachstum statt. Das Kind kommt in die Pubertät.

Eine Menge neuer Erlebnisse und Erfahrungen, viele Höhen und Tiefen stürzen jetzt auf die Pubertierenden ein. Man glaubt, dass sich das Leben mit einem Schlag verändert hat. Der Körper verändert sich zusehend: Brüste, Schamhaar ...
Mit der körperlichen Veränderung muss man sich erstmals auseinandersetzen und sie akzeptieren lernen. Das Verhältnis zu den Eltern wandelt sich (meistens werden die Eltern „schwierig“).
Der Spiegel wird für Mädchen, aber auch für Jungs ein wichtiges Möbelstück.
Die Frage nach dem eigenen Aussehen steht im Mittelpunkt. Und was soll ich tun, wenn mir jemand gefällt? Und was macht mich liebenswert?
Tausend Fragen, die plötzlich auftauchen und wer gibt die Antworten?

Mädchen und Jungen scheinen in der heutigen Zeit, vordergründig betrachtet, aufgeklärter als die Jugendlichen vor 20 Jahren zu sein. Zumindest werden Jugendliche eher und umfassender mit sexuellen Themen konfrontiert. Auch machen sie häufig früher Erfahrungen mit Freundschaft, Liebe und Sexualität. In der Öffentlichkeit und in vielen Massenmedien ist Sexualität das Thema Nummer 1. Trotzdem oder vielleicht gerade deswegen, ist Sexualität insgesamt für Jugendliche nicht einfacher geworden.
Über Sexualität zu reden ist schwer, weil wir nicht gelernt haben, frei und ohne Ängste und Bedenken darüber zu reden. Die Begriffe, mit denen über Sexualität und Geschlechtsorgane gesprochen wird sind oft unattraktiv, verwissenschaftlicht oder vulgär. Aber wie können wir reden? Wie finden wir Begriffe für sonst nie erwähnte Körperteile oder unsere Lust? Sollen wir weiterhin sprachlos bleiben oder aus Scham nicht darüber reden, weil es uns peinlich ist?
Es ist ganz wichtig, sich sprachlich ausdrücken zu lernen.

Es geht aber nicht nur allein um Sexualität. Liebe und Sexualität gehören zusammen, zumindest für die meisten Menschen. Liebe ist ein Wert. Nachdenken über Liebe ermöglicht auch Orientierung im Bereich der Sexualität.

Sexuelles Verhalten wird beeinflusst von religiösen Vorstellungen und moralischen Maßstäben.
Viele Jugendliche - vor allem in der Pubertät reagieren abweisend oder skeptisch, wenn Sexualität und Religion in Verbindung gebracht werden. Wenn es um Moral, Normen und Werte gehr, wittern sie Vorschriften und fühlen sich in ihren eigenen Lebensentscheidungen eingeengt.

Wie findest du deinen eigenen Standpunkt?
Dein eigener Standpunkt ist nicht sofort da.
Zum Erwachsenwerden gehört es, seine eigenen Antworten zu finden und damit auch seinen eigenen Standpunkt. Das kann sehr anstrengend und quälend sein, aber auch sehr spannend zu begreifen, dass jeder Mensch etwas ganz besonderes, einmaliges ist, der sein Leben und Lieben gestalten kann wie er möchte. Und gleichzeitig kann und muss er auch die Verantwortung für seine Handlungsweise übernehmen, denn jedes Verhalten zieht Konsequenzen nach sich.

Darf ich als 16-jährige(r) Sexualität erleben?
Es gibt keine allgemein anerkannte Regel dafür, in welchem Alter Geschlechtsverkehr sinnvoll ist.
Wichtig ist es, dir Zeit zu lassen und erst mit deinem Partner zu schlafen, wenn du dich reif genug fühlst und dazu bereit bist.
Die meisten Mädchen und Jungen wünschen sich dazu eine feste Freundschaft. Wenn dir diese Voraussetzungen wichtig sind, kann es altersmäßig relativ „spät“ sein, dass du mit deinem Partner schläfst. Verpassen kannst du nichts!
Der Erfahrung nach sind Erzählungen von Gleichaltrigen über sexuelle Erlebnisse meist Aufschneidereien.

Verhütungsmittel
Verhütungsmittel werden viele angeboten, trotzdem gibt es keinen 100% Schutz.
Jeder Geschlechtsverkehr bringt die Möglichkeit einer Schwangerschaft mit sich.
Hier nun einige Verhütungsmittel in Kurzform. Eine umfassende Beratung erhältst du bei Schwangerschaftsberatungsstellen oder bei deiner Frauenärztin/deinem Frauenarzt.

Die Pille ist eines der sichersten Verhütungsmittel (99,5% Sicherheit), solange sie vorschriftsmäßig eingenommen wird. Da sie verschreibungspflichtig ist, müssen Mädchen eine/n Frauenärzt/in auf- suchen, mit der die Anwendung und die Einnahme besprochen werden kann.
Achtung: bei Einnahme von Antibiotika, bei Erbrechen und Durchfall ist die Wirksamkeit der Pille gefährdet.

Für den jungen Mann ist das einzige Verhütungsmittel das Kondom. Das Kondom selber schützt die Frau vor Schwangerschaft und gleichzeitig vor der Immunschwäche AIDS. Das Kondom ist zuverlässig, wenn es richtig angewandt wird. Verfallsdatum und dlf-Zeichen (Gütesiegel) auf der Packung beachten!

Kein Verhütungsmittel, aber häufig praktiziert, ist der sogenannte Rückzieher oder das „Aufpassen“, d.h. dass der Mann kurz vor dem Samenerguß seinen Penis aus der Scheide zurückzieht. Bereits vor dem Samenerguß treten die sogenannten „Lusttröpfchen“ aus dem Penis aus, diese reichen für eine Befruchtung aus.

Diaphragma, Spirale, Hormonstäbchen im Oberarm und Scheidenzäpfchen sind weitere Verhütungsmöglichkeiten, nicht alle immer ideal für die einzelne.
Eine ausführliche Information bei Beratungsstellen oder beim Arzt macht viel Sinn.

Bis zum vollendeten 20. Lebensjahr werden die Kosten für Verhütungsmittel von der Krankenkasse übernommen, d.h. Mädchen müssen nichts bezahlen. Ab dem 18. Lebensjahr müssen allerdings die Rezeptgebühren gezahlt werden (soweit keine Rezeptgebührenbefreiung vorliegt).

Die „Pille danach“ ist kein Verhütungsmittel sondern ein Notfall-Präparat nach einer Verhütungspanne. Insgesamt müssen 4 Dragees innerhalb von 48 Stunden nach dem Geschlechtverkehr beginnend, eingenommen werden. Die „Pille danach“ ist verschreibungspflichtig, eine Nachuntersuchung ist wichtig. Mit Übelkeit und Erbrechen ist zu rechnen.

Ist es unromantisch vorher Verhütungsmittel zu kaufen?
Liebe hat neben der Freiheit auch die Verantwortung für die eigene Entscheidung und ihre Folgen. Liebe bedeutet neben dem intensiven Gefühl der Zuneigung auch Bewusstheit.
Es ist notwendig zu verhüten, um kein ungewolltes Kind zu empfangen. Am Besten ist es vorher mit deinem Partner über Verhütung zu reden. Schon beim „Ersten Mal“ kann ein Kind gezeugt werden!

Schwangerschaft
Ist ein junges Mädchen schwanger geworden, ist es meist in einer ganz schwierigen Situation. Das Beste ist so schnell wie möglich mit einer Vertrauensperson darüber zu sprechen. Wer sich nicht traut mit seinen Eltern zu reden, kann sich an Fachleute wenden: BeraterInnen an Schwangerenberatungsstellen, Ärztin/Arzt usw.
Was für ein Mädchen die beste Lösung ist, kann ein Außenstehender nicht beurteilen. Die persönliche Entscheidung für oder gegen ein Kind muss im Einklang mit der ethischen Sicht und im Hinblick auf Zukunftsaussichten, Wünsche, Träume und berufliche Vorstellungen getroffen werden. Sicher ist auch, dass sich ein schwangeres Mädchen zu nichts zwingen lassen sollte, weder zu einer Abtreibung noch zum Austragen des Kindes, weder zu einer überstürzten Heirat noch zur Adoption.

Eine Abtreibung ist niemals eine Lappalie.
Die meisten Frauen müssen in einer solchen Situation mit einem Chaos von Gefühlen und Überlegungen fertig werden. Auch ein schlechtes gewissen oder religiöse Gründe können diese Entscheidung sehr quälend werden lassen.
Eine Abtreibung bedeutet nicht, dass eine Frau keine Kinder mehr bekommen kann oder dass sie Kinder hasst, oder dass sie ein schlechter Mensch ist.
Im Hinblick auf diese Schwierigkeiten, die eine ungewollte Schwangerschaft mit sich bringen kann, ist es superwichtig eine gute Verhütung anzustreben.

P.S. Das Kreisjugendamt verleiht übrigens einen Verhütungsmittelkoffer

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