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Essstörungen
Fast jede/r zweite Deutsche ist übergewichtig, jede/r vierte schleppt sogar 40 Pfund zuviel und mehr an Brust, Bauch und Lenden mit sich herum. Immer mehr zeichnet es sich ab, dass gerade Kinder und Jugendliche unter der sogenannten Esssucht leiden. Die erhöhten Gesundheitsrisiken für Dicke (Diabetes, Bluthochdruck, Gicht, Herzerkrankung, Stoffwechselkrankheiten etc.) geben der Phrase vom Selbstmord mit Messer und Gabel doch recht.

Man unterscheidet heute vor allem drei Formen von Eßstörungen:
- Eßsucht Magersucht (Anorexie),
- Eß-Brech-Sucht (Bulimie) und
- Eßsucht (Adipositas).

Magersucht tritt in der Hauptsache bei Mädchen während der Pubertät und des frühen Erwachsenenalters (bis 25 Jahre) auf. Magersüchtige verweigern die Nahrungsaufnahme mehr oder weniger total. Die Mädchen versuchen mit selbstinduziertem Erbrechen, Einnahme von Abführmitteln oder harntreibenden Medikament, stetig eine Gewichtsabnahme zu erreichen. Vor Ausbruch der Krankheit sind sie oft angepaßt und brav. Bei den Magesüchtigen heißt das Motto, je dünner, desto attraktiver.
Sie bleiben trotzdem erstaunlich lange leistungsfähig, treiben übertrieben Sport und sind überdurchschnittlich gut in der Schule. Die Pubertätsmagersucht hat auch oft den Versuch zur Ursache, die Entwicklung der Geschlechtsreife aufzuhalten. Gewichtsverlust und Störung des Körperschemas, Ausbleiben der Monatsblutung, Verstopfung sind Kennzeichen des Krankheitsbildes. Bei 30% geht die Pubertätsmagersucht in eine chronische Magersucht über, welche lebenslang bestehen bleibet. Bei 5 bis 10% der Betroffenen gibt es keine Hilfe mehr, denn sie sterben an der Essensverweigerung, wenn ihr Zustand zu spät erkannt und behandelt wurde. Im seelischen und sozialen Bereich besteht die Gefahr der Vereinsamung und der Depression. Ärztliche und psychotherapeutische Behandlung sind in diesem Falle erforderlich.

Bulimie:
Die ,,typische Eß-Brech-Süchtige ist zwischen 20 und 30 Jahren alt, schlank, gebildet und kommt aus der gehobene Mittelschicht. Bulimie ist der in regelmäßigen Abständen auftretenden Drang, große Menge Essen zu sich zu nehmen und die dann eben zu sich genommene Nahrung wieder zu erbrechen. Bulimie heißt auch zu deutsch etwa Stierhunger. Die Mädchen verfallen bei diesen Heißhunger in eine regelrechte Freßorgie. Dabei verzehren sie oft einen ganzen Laib Brot mit einem halben Pfund Butter und Wurstaufschnitt, Käse, Praline etc. Nach den bulimischen Anfällen, gegen die die Betroffenen willentlich nichts unternehmen können, folgt meist ein selbstinduziertes Erbrechen und darauffolgend eine depressive Verstimmung mit Selbstvorwürfen.

Im Gegensatz zu den Anorexie-Betroffenen liegt das Gewicht bei den Bulimie-Betroffenen meistens im Normbereich. Das Ausmaß der Sucht ist jedoch als sehr gefährlich anzunehmen. Denn frühzeitiger Zerfall der Zähne, chronische wunde Speiseröhre und Kehle, Nieren- und Leberschäden sowie geschwollene Schilddrüsen sind die Folgen. In extrem Fällen kann es sogar zu lebensgefährlichen Herzrhytmusstörungen und gerissenen Magenwänden kommen. Des weiteren leiden sie unter Depressionen, Lebensleere, Isolation, totalem Negativismus und Gefühlsarmut. Das ist nicht alles, denn hinzu kommt noch die finanziellen Probleme (denn diese Sucht kostet viel Geld), eine chronische Überforderung und der Verlust von wirklicher Freizeit und von Freunden.

Eßsucht (Adipositas):
Fettsüchtige essen, ohne hungrig zu sein. Sie essen auch außerhalb der üblichen Mahlzeiten, können in Gegenwart anderer kontrolliert essen, verlieren aber jedes Maß, wenn sie allein sind.
Eßsüchtige leiden unter starken Scham- und Schuldgefühlen. (Wer den Speck hat, braucht für den Spott nicht mehr zu sorgen. )
Eine Unterform der Adipositas ist die latente Eßsucht. Hierbei merkt man den Eßsüchtigen nicht an, daß sie Suchtprobleme beim Umgang mit dem Essen haben. Latent Eßsüchtige leiden unter ständiger Angst vor Gewichtszunahme, die in der Phantasie der Betroffenen zur maßlosen Gefahr hochstilisiert wird. Oft ist die latente Eßsucht ein Übergangsstadium zur Eß-Brech-Sucht (Bulimie) oder zur Magersucht. Die Fettsucht ist eine häufige Krankheit und ist wesentlich am Auftreten von Folgeerkrankungen wie Diabetes, Gicht, Blutdruckstörungen und Ateriosklerose beteiligt.
Hilfreich sind neben einer Diätbehandlung, Verhaltenstherapie oder Psychotherapie.

Bei allen drei Formen von Eßstörungen kommt es oft zu Medikamentenmißbrauch.
Neben Abführmitteln und Appetitzüglern werden auch Psychopharmaka und Alkohol häufig verwendet. Dies kann dann zu einer Tablettenabhängigkeit und den damit verbundenen körperlichen Problemen (Leber-, Magen-, Herz-, Kreislauf-Beschwerden) führen.

Wenn du wissen willst, ob du selbst an einer Essstörung leidest, kannst du einen Termin bei einer Psychologischen Beratungsstelle vereinbaren. Die Adressen findest du unter: Beratungsführer.

Du kannst dich auch an die Mail-Beratung im Jugendnetz-ortenau wenden oder an eine der unten genannten Fachstellen:

1. Frauen- und Mädchen-Gesundheitszentrum e.V, Basler Straße 8,
79100 Freiburg (Tel. 0761/ 202 15 90; Fax: 0761/ 202 15 91)

2. Frankfurt Zentrum für Eßstörungen, Hansaallee 18,
60322 Frankfurt/M., (Tel. 069/ 55 01 76; Fax: 069/ 596 17 23),
E-Mail: fz-ess-stoerungen@t-online.de,
Internet: www.fz.ess-stoerungen.de

3. Kinzigtal Klinik, Wolfsweg 12, 77723 Gengenbach
(Tel. 07803/ 808 - 0)

4. Fachklinik Bad Dürkheim, Kurbrunnenstraße 12, 67098 Bad Dürkheim
(Tel. 06322 934 - 0, Fax: 06322/ 934 -201), E-Mail: duerkheim@ahg.de

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